30.03.2019

TOUR DIARY – 23.03.19 | HEIDENHEIM, Swing

Kaum war der letzte Akkord unserer Tettnang-Show verklungen, saßen wir schon wieder im Bandbus und düsten nach Heidenheim an der Brenz. Zumindest in unserer Zeitrechnung. Wir machten kurz Halt in „Dürmi“ und „Betze“, um „dr Langhoorige vom Musikmarkt“ abzuholen. Jürgen meinte nach einem kurzen Plausch in seiner Hofeinfahrt in vollem Ernst: „Also, macht’s gut! Ach… Moment, ich fahre ja mit!“ Ähm, ja. Das Alter. Bei Holger waren wir geschlagene drei Minuten zu früh. Das gab es noch nie. Auch wir werden älter.

Traditionell haben wir unterwegs ein weiteres Mal gestoppt, um uns diverse Tankstellen-Köstlichkeiten und die erquickende Brause eines Salzburger Getränkeherstellers einzuverleiben. Bei einer Fahrt durch Heidenheim gibt es viel zu sehen. Die bombastischen Bauwerke des dortigen Zementwerks beeindrucken jedes Mal aufs Neue. Zuletzt hatten wir 2017 dort gespielt. Also nicht im Zementwerk, sondern im Swing, wo wir wenige Minuten später ankamen. Dort begrüßten wir den Chef des Hauses, Michel Kneule. Klasse Typ und eine echte Kultfigur. Wenn wir in Heidenheim wählen dürften, wüssten wir, wo wir unser Kreuz machen würden: Nummer 6, Gastronom & Musiker. Mit anderen Worten: Sex, Drugs & Rock’n’Roll. Die netten Jungs von BLOOD ORANGE waren ebenfalls am Start und gerade mit dem Soundcheck beschäftigt. Krautsalat und Blutorange. Eine schmackhafte Kombination.

Als die Technik und der Sound standen, gab es Zeit für das eine oder andere Pläuschchen. Michel Kneule versorgte uns mit lokalem Bier der Marke Königsbräu. Er selbst trinkt angeblich gerade keinen Alkohol. Angeblich. Unser Bassist und der BLOOD Orange Bassist fanden heraus, dass sie sich über zwei Ecken kannten. Kleine Welt. Auch mit den sehr netten und äußerst professionellen Technikern Klaus und Tom verstanden wir uns bestens. Das Mischpult war zwar etwas ungünstig platziert (direkt neben der Bühne), aber da es sich um ein digitales Gerät handelte, konnte man aus der Ferne mit einem iPad abmischen. Unser Analog-Mann Jürgen schwört neben Vinyl-Platten auch auf Apfel-Produkte, so dass er auf Anhieb gut klar kam. Scheiß auf die Haptik! Abendessen gab es in einer nahegelegenen Dönerbude. Wir waren proppenvoll, als wir gegen 20:00 Uhr zurück ins Swing kamen, was man vom Swing noch nicht behaupten konnte. In der nächsten halben Stunde füllte sich der Laden jedoch. Einer energiegeladenen Show stand nichts mehr im Wege.

Um 20:45 Uhr enterten wir die Bühne und rockten mit „Saving My Anger“ und „Illusions For Fate“ los. Jürgen saß entspannt an einem Tisch und wischte auf seinem iPad herum, während wir unsere Instrumente malträtierten. Das Publikum war von Anfang an voll da. Ein „Qualität statt Quantität“ Publikum! Das ist positiv gemeint. Wir haben selten erlebt, dass 60 Leute so bei der Sache sind. Vom Scheinwerferlicht geblendet, konnten wir nicht allzu viel erkennen und waren nach jedem Song erstaunt, wie viel Lärm diese 60 Leute veranstalteten. Hatte jeder sechs Hände? Klang zumindest so. Wir präsentierten ein rund 75-minütiges Set und streuten auch unsere neuen Songs „To The Bone“ und „Soul On Ice“ ein, die zu unserer Freude sehr gut ankamen. Gegen 22:00 Uhr legten wir die Waffen nieder, verbeugten uns schweißgebadet und ernteten tosenden Applaus. Als nach einer Zugabe verlangt wurde, ließen wir uns nicht lange bitten. Wow! Vielen Dank, Heidenheim! Rock-Szene deluxe! Das war laut Holger schon in den 90er-Jahren so. Nach der Zugabe sprachen wir backstage über unsere Show und mussten uns eingestehen: Ein 75-minütiges Set strengt uns inzwischen echt an! Wir waren fix und fertig! Gut, dass wir zuvor mehr als üppig gespeist hatten.

Nach einem kurzen Umbau starteten die Kollegen von BLOOD ORANGE in ein buntes Set durch 60 Jahre Rockgeschichte. Es gibt zig abgedroschende Coverbands, aber BLOOD ORANGE gehören definitiv nicht dazu! Die Jungs bewiesen Mut zur Lücke und streuten auch Songs ein, die man sonst selten hört. Vor allem der Gesang und die filigrane Gitarrenarbeit wussten zu überzeugen. Songs wie „Hotel California“ oder die Licks von Oberfrickler Mark Knopfler muss man sich erstmal zutrauen! Wir hatten eine gute Zeit und streiften vergnügt durchs Swing. An dieser Stelle möchten wir das nette Team an der Bar erwähnen, welches ein sehr gutes Auge für uns durstige Musikanten hatte und stets mit einem freundlichen Lächeln (und einem Getränk) zur Stelle war.

Gegen Ende des Sets von BLOOD ORANGE drehten wir eine Abschiedsrunde durchs Swing. Zu guter Letzt schüttelten wir Michel Kneule die Hand und fassten „so in zwei Jahren“ eine weitere Show ins Auge. Wir freuen uns drauf! Weil wir den Tag über viel zu wenig gegessen hatten, machten wir auf dem Heimweg Halt beim „Schachdl-Wiad“, der sich immer mehr zum „Bildschirm-Wiad“ entwickelt. Das missfällt uns sehr. Vielleicht sollten wir unsere kulinarischen Ausflüge künftig überdenken. Aufgrund von Müdigkeit übergab unser Drummer zu später Stunde das Steuer an unseren Gitarristen. Sehr vernünftig.

Für einen rundum (!) gelungenen Abend ein herzliches „Vergelt’s Gott“: The one and only Michel Kneule, Klaus & Tom an der Technik, BLOOD ORANGE, dem Swing-Team an der Bar, der Heidenheimer Zeitung und Roland Missler (meld dich einfach – wir wären sofort dabei).

„Also, macht’s gut!“ Ja, Jürgen. Jetzt darfst du zurück ins Haus und schlafen.