30.03.26

TOUR DIARY – 21.03.26 | BAD SAULGAU, Bohnenstengel, RiedRockRead


RiedRockRead zum Dritten: Unser Heimspiel war restlos ausverkauft. Darüber freuten wir uns sehr, als wir uns am Samstagabend in Bad Saulgaus Kultkneipe Bohnenstengel begaben. Dort hatte unser Bassist Nippel zusammen mit Autor Michael und Wirt Christian Pfeiffer den ursprünglichen RiedRockRead-Abend klar gemacht, aus dem im Laufe der Zeit die kleine RiedRockRead-Tour hervorgegangen war.

Ein (vorerst) letztes Mal bauten wir zusammen mit Heinz die Anlage auf und machten einen Soundcheck. Christian versorgte uns mit Getränken und gegen Abend mit schmackhaften Seelen und Pommes, die wir im wunderschönen Ambiente seiner mit Emailleschildern behangenen Kneipe genossen. Der Bohnenstengel füllte sich rasch mit Leuten. Sowohl bekannte als auch unbekannte Gesichter. Michael kam heute mit seiner ganzen Familie. Vereinzelte Tickets, die krankheitsbedingt frei wurden, fanden sofort dankbare neue Abnehmer. Full House. Wow!

Kleine Anekdote am Rande, die zeigt, was unser Sound-Mann Heinz für ein klasse Typ ist: Nippel hatte versehentlich den Tuner in seiner Gitarre angelassen, wodurch die 9-Volt-Blockbatterie in die Knie ging. Da es der letzte Abend war, hatte er keinen Ersatz mehr und fragte Heinz. Der behauptete, eine in seinem Bus zu haben. Hatte er nicht. Heinz verschwand und blieb einige Zeit weg. Irgendwann lag kommentarlos eine neue Batterie auf der Bühne. Nippel ging zu Heinz, der nun wieder am Mischpult stand: „Heinz, du bist jetzt aber nicht zum Einkaufen gefahren?!“ Heinz grinste gelassen und gab unserem schimpfenden Bassisten einen Luftkuss.

Auf Geheiß von Hausherr Christian legten wir am Final-Abend etwas später los. Es ging auf halb 9 zu, als wir in die Saiten bzw. Seiten bzw. Kiste griffen. Musikalisch legten wir wieder mit „The Thing About You“ und „Here And Now“ los, bevor Michael das heimische Publikum begrüßte, die Spielregeln erklärte und dann aus „Kuhnacht“ vorlas, worin wir wiederum „Aldrin“ integrierten. Bereits nach wenigen Minuten spürten wir, dass die RiedRockRead-Maschine nun bestens geölt war. Die Übergänge waren noch geschmeidiger und das gegenseitige „den Ball zuspielen“ und „immer noch einen draufsetzen“ zwischen Michael und Band funktionierte wie von selbst. Spielen, lesen, spielen, lesen. Unser gebrülltes Lemmy-Zitat und Michaels anschließendes Kurz-Referat über den britischen Kult-Rocker sorgten einmal mehr für Freude im Publikum. Auch die anschließende Lektüre von „Leberwurscht letal“ und das darin integrierte „Away“ kamen sehr gut an, bevor wir uns in die Pause verabschiedeten und unters zahlreich erschienene Volk mischten.

Die zweite Hälfte wurde erneut musikalisch begonnen. Danach las Michael aus „Camping mortale“ vor und sorgte mit der Beschreibung des Mordopfers ein weiteres Mal für Entsetzen im Publikum. Auch an diesem Abend hatte unser Kasperle wieder einen kleinen Gastauftritt – sowohl in Michaels Lektüre als auch in Form einer Handpuppe aus Jojos Kindheit (siehe Foto unten). Fließend setzte Sédon mit einem Beat ein und wir präsentierten einen Ausschnitt von „Hell Breaks Loose“. Übrigens: Das Artwork unseres Albums „Black Heart Fairytales“ passt sehr gut zu Michaels Romanen. Um das volle Ausmaß der Tragödie zu sehen, muss man allerdings das CD-Booklet durchblättern – Spotify genügt in diesem Fall nicht. Im weiteren Verlauf von „Camping mortale“ langweilt sich Hauptperson Daniel Bönle bei einer Predigt von Pfarrer Deodonatus Ngumbu fast zu Tode, versinkt im Chorgestühl und hört mit Kopfhörern heimlich Coleslaw. Süffisanter Kommentar: „Das passte zu Deos Predigt: This Misery.“ Ehrensache, dass wir den genannten Song an dieser Stelle präsentierten. Christian und sein Team hatten ein gutes Auge für leere Gläser und brachten uns während der Show unaufgefordert neue Drinks auf die Bühne. Zu guter Letzt las Michael wieder aus seinem neuen Buch vor, dessen Titel noch geheim ist. Pfarrer Deo und die fesche Polizeikommissarin Petra Krieger kommen sich (nach ausgiebigem Messwein-Konsum) in einem Sportwagen näher und führen einen herrlich doppeldeutigen Dialog. Sie legen eine Coleslaw-CD in den Player und hören „Closer Tonight“. Folglich spielten wir den Song an dieser Stelle. Die Kommissarin outet sich als großer Fan des Songs und unserer Band und überhäuft uns mit Komplimenten. Wir hoffen inständig, dass Michaels Lektorin diese wunderschöne Passage nicht streicht. Bei „Angels & Skulls“ hingegen gruselt es die fesche Ermittlerin gewaltig, so dass wir nach einem kurzen Teaser dieses Songs (ihrem Wunsch entsprechend) zu „Share A Smile“ wechselten – übrigens inklusive Mundharmonika-Part von Jojo. Das Publikum schrie lautstark nach einer Zugabe.

Wir spielten „Like A Rockstar“. Michael beantwortete im Anschluss ein paar Fragen aus dem Publikum. Hier und da streuten wir spontan weitere Anekdoten ein. Nippel erzählte, wie er vor vielen Jahren jedes neue Boenke-Buch (inklusive persönlicher Widmung!) von Michaels Familie geschenkt bekommen hatte. Kathrin und die beiden Sprösslinge saßen im Publikum und freuten sich sichtlich. Jojo schwelgte in Nostalgie und erklärte, dass er vor rund 25 Jahren auf der Bohnenstengel-Bühne seinen ersten Band-Gig mit Sédon am Schlagzeug gespielt hatte. Nippel war damals im Publikum gestanden. Wenig später sollte die erste Coleslaw-Bandprobe folgen. Michael konnte all das kaum glauben – er hält uns irrtümlicherweise für sehr jung und erklärte kurzerhand, dass sich RiedRockRead für ihn anfühlte, als wäre der Opa mit seinen Enkelkindern unterwegs. Das Publikum hatte einen Heidenspaß und wir auch. Zu guter Letzt spielten wir auf Wunsch von Michael „The Boxer“ – übrigens mit Blockflöten-Part von Nippel. Lieber Michael, es waren drei wunderschöne Abende mit dir! Definitiv ein Highlight in unserer langen Bandgeschichte! Lass uns das irgendwann wiederholen…

Für einen großartigen Tourabschluss im Bohnenstengel bedanken wir uns herzlich bei Christian und seinem Team, Heinz, Steffi, Kathrin, Johannes, Judith, Miche Hepp vom Hinterland Magazin und last but not least beim Publikum für die super Stimmung und dafür, dass wir bereits zehn Tage vor der Bohnenstengel-Show fett „AUSVERKAUFT“ aufs Plakat schreiben durften. Das haben wir nicht alle Tage. DANKE!