21.03.2005

TOUR DIARY – 19.03.05 | BAD SAULGAU, Stadtforum

Über die Wintermonate ist es eigentlich fast immer so, dass Auftritte eher rar sind – so also auch in diesem Winter. Da unser letzter Auftritt in Bad Saulgau schon eine Weile zurücklag (November 04) und wir zudem ein paar neue Songs am Start hatten, waren wir natürlich sofort dabei, als uns das Stadtforum als Support von FLATTED FIFTH engagierte.

Man traf sich am Samstagnachmittag im Stadtforum und war sofort erfreut, als die Jungs von FLATTED FIFTH ihre PA-Anlage anschleppten: Vom feinsten! Zumindest für unsere Verhältnisse. Unser Tontechniker Jürgen Rooooooooos schleppte zudem noch einige Bässe (Boxen für die tiefen Soundfrequenzen) an. Nach eigenen Worten hatte ihn das ALTER BRIDGE Konzert angespornt, das wir einige Tage zuvor mit ihm zusammen besucht hatten…

Während die Mannen von FLATTED FITH ihre Anlage hinstellten und wir unseren Merch-Stand (ein Hoch auf unseren Trommler, der nebaher au no Schreiner isch!) aufbauten, lies Gott Abend werden. Offiziell wäre bereits um 19.00 Uhr Konzertbeginn gewesen. Wir zögerten das ganze jedoch noch ein Weilchen hinaus: Während Sédon heimfuhr (!) vertrieben sich Jojo, Nippel und Roos die Zeit im Backstageraum. Unser Mischer sorgte einmal mehr mit Anekdoten aus seinem g-Roos-artigen Leben für Kurzweil. Im Gegensatz zu den letzten Gig Reviews, will ich ihn diesmal jedoch nicht zitieren. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass unsere saubere Bandpage auf irgendwelchen dreckigen Porno-Seiten verlinkt wird… 🙂

Um 19.45. Uhr rockten wir mit unserem brandneuen Song „Me Again“ los. Wir waren erfreut, dass bereits zu so früher Stunde ca. 250 Leute da waren! Nach „Thoughts Of An Idiot“ ging es dann mit einigen älteren Stücken weiter. Obwohl es massig Applaus gab und wir den Eindruck hatten, dass die meisten Leute unseren Auftritt ziemlich geil fanden, blieb die Stimmung insgesamt eher verhalten. Ausnahme: Als Jojo bei „Just Asking“ Coleslaw-Fan Martin auf die Bühne holte und dieser dann mit Bravour den Gitarren-Part übernahm, da war das Publikum zu recht begeistert! Unglaublich, der Bursche! Respekt!! Unter tosendem Applaus verlies er die Bühne. Im Anschluss präsentierten wir „Like A Rockstar“ – ein weiterer Song, der an diesem Abend Premiere hatte.

Die Jungs, die in den Kreisen von LACK OF SYSTEM verkehren, sowie die Nagolder Cris & Stephan bewegten sich wie immer fleißig zum Sound und stachen so aus der Masse heraus. Witzig waren auch die drei kleinen Jungs Sven, Nico und Sandro (alles Gitarrenschüler von Nippel), die direkt vor der Bühne standen. Die waren außerordentlich froh, dass wir an diesem Abend schon so früh spielten, denn wenn man neun Jahre alt ist, dann hat man ansonsten so seine Probleme, wenn man einen Coleslaw-Gig sehen will! Obwohl mindestens einem von ihnen die Lautstärke sichtlich zu hoch war, standen sie während unserem kompletten Auftritt in der ersten Reihe und grinsten uns schelmisch an… 🙂

Während wir spielten, verkaufte Jonne am Merch-Stand. Es gab unter anderem nagelneue Pullis und Aufkleber. An dieser Stelle möchten wir mal ein Lob an Ingo Gessler aus Marbach aussprechen! Der ist grad dabei, einen Copy-Shop aufzubauen und macht außerordentlich gute Arbeit! Dass das nicht selbstverständlich ist, davon kann wohl fast jeder Saulgauer ein Lied singen… 😉

Mit „This Misery“ brachten wir schließlich unseren Gig zu Ende und verschwanden hinter dem Bühnenvorhang. Anstatt den ansonsten üblichen „Zugabe!“-Rufen, gab es diesmal sogar einen kleinen Sprechchor: „Wir wollen Exhausted hören!!!“ Es hat halt doch seine Vorteile, wenn man ne absehbare Zugabe bringt. 🙂 Wir kamen dem Wunsch natürlich nach und spielten zu guter Letzt noch „Exhausted“, wobei Roos am Mischpult mal wieder kräftig am Delay-Regler drehte…

Insgesamt gesehen war das mit Sicherheit einer unserer besser Gigs. Zwar hatten sich sowohl Jojo als auch Nippel speziell bei den neuen Songs etwas unsicher gefühlt – insgesamt hatten sie aber ordentlich gespielt und waren zufrieden. Sédon hingegen hatte eine der besten Shows seines bisherigen Lebens hingelegt! Jeder, der ihn nur ansatzweise kennt, weiß natürlich, dass er so etwas nie von sich selber behaupten würde, aber es soll hier trotzdem gesagt sein! Zumindest freute sich Sédon nach dem Gig über massig Lob von Holger, Thimo und Co. Die roossche Soundarbeit war ebenfalls erste Sahne und stellte (nicht zuletzt dank fetter Anlage) so ziemlich alles bisher da gewesene in den Schatten – zumindest was Coleslaw anbetrifft. Von ALTER BRIDGE will ich jetzt gar nicht reden… 🙂

Nachdem wir die Bühne geräumt hatten, bereitetet sich die Jungs von FLATTED FIFTH auf ihren Auftritt vor. Nach längerem Line-Check starteten sie ihn ein buntes Cover-Set, das mit zahlreichen Perlen aus mehreren Jahrzehnten Rockgeschichte gespickt war. Allgemein zeichneten sich die Jungs um Frontmann Markus durch Songs aus, an die sich andere Bands nicht mal rantrauen: Vor allem einige Klassiker von den RED HOT CHILI PEPPERS („Otherside“, „Under The Bridge“, „Parallel Universe“, „Californication“ etc.) wurden mit Bravour vorgetragen. Da waren mit Sicherheit nicht nur wir beeindruckt! Auch sonst war für jeden was dabei. Sédon freute sich über ACDC, Nippel war von einigen THE OFFSPRING-Klassikern („Genocide“!!!) oder FARIN URLAUBs „Okay“ sehr angetan und auch Jojo war durchweg begeistert. Die Jungs spielten über dreieinhalb Stunden komplett ohne Pause durch. Respekt! Anfangs wirkte das Publikum zwar noch etwas desinteressiert – im Laufe des Abends wurde die Stimmung jedoch noch richtig gut. Gegen 0.45 Uhr brachten die Kollegen ihren Auftritt mit ein paar Songs von DIE SCHRÖDERS zu Ende. Geiler Auftritt!

Mittlerweile war das Stadtforum ziemlich leer geworden. Man redete noch mit zig Leuten über alles Mögliche, bis schließlich folgende Einsicht einkehrte: „Noch miad kommd domm!“ Wir gingen also nach draußen, wo dann doch noch ganz schön lang weitergeredet wurde. Zu lang, wie sich später herausstellen sollte: Plötzlich kreuzten drei Jungs aus dem Osten Europas auf (Zitat Sédon: „Kanischdrkepf“). 🙂 Als wir uns irgendwann zu Fuß auf den Heimweg machten, verfolgten uns diese Typen. Obwohl wir zu siebt waren und die nur zu dritt, waren wir beunruhigt. Ganz egal ob wir mal zwei Minuten stehen blieben oder die Richtung wechselten – die drei „Kanischdrkepf“ blieben uns auf den Versen und unterhielten sich auch lautstark in ihrer Landessprache – vermutlich über uns. So was kann einen schon verdammt aufregen: Wegen solchen einzelnen Vollidioten werden oftmals alle Ausländer in einen Topf geworfen und völlig zu unrecht abgestempelt!

Als sich irgendwann Jojo und Moni von Roos, Nippel, Sédon, Cris & Stephan (beide aus Nagold) trennten, hatten die drei Typen immerhin so viel „Anstand“, dass sie bei der Fünfergruppe blieben. Als sie uns noch näher auf die Pelle rückten, tat Roos das einzig richtige: Er wählte 110 und wurde dann ans Bad Saulgauer Polizeirevier verwiesen. Roos: „Hallo, hier Jürgen Roos am Apparat. R, zwei O, S, Jürgen! Wir laufen grad durch die Saulgauer Innenstadt und uns verfolgen seit längerem drei junge Herren – östlicher Herkunft versteht sich. Die provozieren und koldern durch die Gegend! […]“. Aus jetziger Sicht betrachtet, mag die roossche, hochdeutsche Version des schwäbischen Wortes „koldra“ amüsant erscheinen – zu dem Zeitpunkt, als ihm dieses Wort über die Lippen glitt, war uns jedoch überhaupt nicht zum Lachen zu Mute! Als dass Telefongespräch beendet war, bogen wir gerade in die Störckstraße ein, wo sich das Polizeirevier befindet. Unmittelbar nachdem einige Polizisten nach draußen gekommen waren, suchten unsere Verfolger (wen wundert’s??) das Weite. Wir unterhielten uns kurz mit den Beamten und erklärten ihnen, dass wir auf dem Weg zum Stinnes sind.

Polizeibeamte mögen bei der Allgemeinheit vielleicht einen schlechten Ruf haben – wir müssen ihnen ein großes Kompliment aussprechen: Ohne lang zu überlegen, fuhren sie mit ihrem Streifenwagen eine Eskorte uns suchten die drei Typen! Da die Beamten alle paar Minuten an uns vorbeifuhren, waren wir sehr erleichtert. Am Stinnes angekommen übergaben wir Stephan und Cris aus Nagold den Stinnes-Schlüssel. Sie machten es sich mit ihren Schlafsäcken auf den Sofas in unserem Bandraum bequem. An eventuelle Neider: Wer regelmäßig mehrere hundert Kilometer fährt, um einen Coleslaw-Gig zu sehen, der darf natürlich auch mal in unserem Bandraum schlafen! 🙂

Nippel, Sédon und Roos begaben sich anschließend zur michelbergerschen Residenz, um dort zu nächtigen. Es war ein weiser Entschluss gewesen, den beiden Nagoldern unserem Stinnes-Schlüssel zu überlassen! Wir hätten’s zwar auch nicht für möglich gehalten, aber unsere drei Verfolger kamen tatsächlich noch an den Stinnes und versuchten – Gott sei Dank ohne Erfolg – die Tür zu öffnen. Keine Ahnung, woher die vom Stinnes wussten! Wahrscheinlich sind sie uns trotz Polizei irgendwie gefolgt. Jetzt glauben wir einfach mal an das gute im Menschen und hoffen, dass nicht in ein paar Tagen unser Bandraum leer ist…

Im Zusammenhang mit unserem 75. Konzert verbeugen wir uns tief vor: Jonne, Roos, Olli, Ryan, Holger (Fähnlein Fieselschweif), Thimo, Gaisi & Belegschaft (Manne, St. Anger etc.), FLATTED FIFTH & Anhang (Role etc.), Miche Hepp, Dod, Cris & Stephan, Sven, Sandro, Nico, der TBG (Vanessa etc.), der Polizei und dem Kathano-Team (www.kathano.com).